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Unsere Rede PDF Print E-mail
Liebe Schöppinger,
Fast 62 Jahre ist sie her. Die Befreiung vom Nationalsozialismus. Ausserdem 62 Jahre her ist heute auf den
Tag die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. In Auschwitz wurden bis zu
diesem Tag mindestens 1 000 000 Juden und Jüdinnen umgebracht, ausserdem 100 000 KommunistInnen,
Roma, Sinti, Homosexuelle sowie russische und polnische ZwangsarbeiterInnen und Zeugen Jehovas. Bis
zum Ende des zweiten Weltkrieges wurden rund 6 Millionen Juden und Jüdinnen sowie hunderttausende
Angehöriger der zuvor genannten Gruppen in deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet.
Der Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee wurde zum internationalen
Holocaustgedenktag, den wir hier heute begehen wollen, um dafür zu sorgen, dass die Opfer niemals
vergessen werden. Und Vergessen ist auch einer der Gründe, der uns heute hierhin, nach Schöppingen,
führt. Mehr als zwölf Jahre lang hing im Künstlerdorf das Auschwitz-Mahnmal des niederländischen
Künstlers Pier van Dijk. Kaum übersehbar hing es direkt an einer viel befahrenen Strasse und mahnte so
alle, dass sich Auschwitz nicht wiederholen darf.
Nun wurde das Schild auf Anordnung des Geschäftsführers des Künstlerdorfs entfernt. Es sei in einem
Zustand, der die Unfallgefahr zu groß werden lasse, so der Bürgermeister. Auf das Angebot des Künstlers,
das Schild auf eigene Kosten selbstverständlich zu restaurieren, reagiert der Geschäftsführer des
Künstlerdorfes mit der Erwiderung, es habe ihm ohnehin auch künstlerisch nicht gefallen. Wie ein
interessierter Bürger schon in einem Leserbrief feststellte, ist der Umgang mit dem Mahnmal und dessen
Entfernung beispielhaft für den Umgang mit der eigenen Geschichte in Deutschland. Man will all das
einfach nur vergessen, heißt es, dass sei ja so lange her und doch nicht mehr aktuell. Diese Einstellung und
die vollkommen mangelhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und dem wieder
erstarkenden Nationalismus zeigt sich auch in einigen Leserbriefen, die in der örtlichen Presse abgedruckt
worden sind. Während manche tatsächlich noch feststellen, dass Auschwitz nie vergessen werden darf und
deshalb fordern, dass Schild wieder an seinem angestammten Platz öffentlich zu machen, fordern andere
dies nur noch, weil sie Imageschäden für das eigene Dorf befürchten. Noch besser wird es in einem anderen
Leserbrief deutlich, wie egal vielen Deutschen die eigene Vergangenheit ist, wenn der Vergleich mit einer
Werbetafel angestrebt wird. Wenn eine solche an ebendieser Stelle, am denkmalgeschützten Künstlerdorf,
hängen würde, würde sich doch sofort die Denkmälerbehörde einschalten, so die Verfasserin. Hier wird
deutlich, was viele offenbar nicht wollen: Gedenken, wofür wir uns heute hier versammelt haben. Denn ein
Mahnmal ist eben keine Werbetafel, ein Mahnmal soll erinnern und vor der Wiederholung etwas
Schrecklichen mahnen, das „Verkehrsschild“ des niederländischen Künstlers im speziellen vor der
Wiederholung des schlimmsten Verbrechens der Geschichte, der Shoa. Der Gipfel der Ignoranz lässt sich
wohl in einem kurzen, aber sehr prägnanten Leserbrief wiederfinden. Dort ist die Rede davon, dass das
Schild vielleicht nach München, Nürnberg oder Berlin gehöre, nicht aber in „unser sauberes Schöppingen“.
Man will nicht wahrhaben, dass die eigenen Vorfahren solche Gräuel angerichtet haben können, dass die
Täter und Täterinnen nicht nur aus den grossen Städten kamen, sondern, dass Auschwitz ohne die deutsche
Landbevölkerung wohl kaum möglich gewesen wäre. Was man jedoch sehen möchte, ist ein erstarkender
Stolz auf die deutsche Nation. Wiederum nicht wahrhaben will mensch, dass dieser Stolz erstarkt, weil all
das, was in der Vergangenheit im deutschen Namen geschehen ist, vergessen oder relativiert wird. An
Gedenkfeiertagen für die Opfer von Kriegen wird nun nicht mehr vorrangig der wahren Opfer, im Falle des
zweiten Weltkrieges insbesondere der jüdischen sowie derer aus den Reihen der kommunistischen und
alliierten Befreier_Innen gedacht, nein, diese werden auf eine Stufe mit den im Kampf für Hitler und seine
Ideologien gefallenen Soldaten gestellt und Mahnmale für die Opfer des antisemitischen Wahns werden
verkommen lassen oder, wie in diesem Falle, bei möglichst grosser Unkenntnis in der Öffentlichkeit
schlichtweg entfernt.
Wir sind nicht bereit, diese Geschehnisse zu dulden und fordern vom Bürgermeister, umgehend ein
gleichwertiges Mahnmal an einer ähnlich zentralen Stelle einzurichten. Die Schöppinger Bevölkerung soll
an der Entstehung und Einrichtung beteiligt sein, und nicht wie es ein Ratsbeschluss vorsieht,
ausgeschlossen werden.
Wenn Auschwitz sich nicht wiederholen soll, darf Auschwitz nicht vergessen werden. Wir gedenken der
Opfer des deutschen Wahns, damit Auschwitz sich nicht wiederhole! Nie wieder Auschwitz!

 
Solikonzi in der Baracke

Am Samstag den 19.01.2008 findet ein SoliKonzi in der Baracke in Münster (Scharnhorststraße 100) für die Baracke statt. Um 21:00 Uhr spielt eine Ska-Band,danach gibts noch ne Party. Eintritt bei der Band 5€ und bei der Party später 3€.