| Die Verschwörung der Medien und andere Unglaublichkeiten |
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Und sie kriegen uns doch! zum Redebeitrag des Aktionsbündnises gegen den Krieg aus der Ausgabe der letzten ApopleX Da wir selbst beim Lesen einer „linksradikalen Stadtillustrierten“ auf wilde Verschwörungstheorien und krassen Antiamerikanismus stoßen müssen, halten wir es für unumgänglich dazu eine (mit Sicherheit viel zu unausreichende) Kritik zu schreiben. Diese hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, genauso wenig wie wir einen Anspruch auf Allwissenheit haben.Zunächst einmal fragen wir uns, wie das Aktionsbündnis gegen den Krieg auf die These gekommen ist, dass wir durch "die Medien bewußt desinformiert, manipuliert, belogen und betrogen werden, seitdem die Bundesrepublik Deutschland wieder Krieg führen (...) darf?" Dass die Medien absolut lückenhaft und vor allem auch oft voller Fehler berichten ist doch klar, denn solange Medien auf Einschaltquoten angewiesen sind, werden sie so berichten, wie es unsere systemkonforme Sensationsgeilheit befriedigt. Aber warum denn gerade seitdem die BRD wieder Kriege führt? Hatte nicht die Hälfte der jetzigen BRD 40 Jahre lang staatsmanipulierte Medien? Und gab es nicht auch schon vor den erneuten Kriegen der BRD die Bildzeitung? Wurde nicht schon seit der Zerschlagung des Dritten Reiches unzureichend informiert? Medien berichten (bewusst) lückenhaft, aber das dürfte mittlerweile allen klar sein und vor allem tun sie das schon solange es sie gibt. Daraus jedoch eine Verschwörung zu konstruieren, halten wir für falsch. "Aber der Schurke blieb verschwunden, bis man über ein Jahr später seine Verhaftung an einem Erdloch inszenieren konnte. Glauben Sie, dass ein milliardenschwerer Diktator sich in ein Erdloch zwingen lässt? Aber diese Geschichte ist Beleg dafür, (...) daß die Medien jede noch so schlechte Lüge verbreiteten." Ohhh, nein Saddam stellte sich lieber auf Bagdads Marktplatz und wartete auf seinen Märtyrertod. Das im Erdloch war gar nicht Saddam, dass war in Wirklichkeit Allawi, der Karneval feierte. Und Bielefeld gibt es in Wirklichkeit auch nicht! Unsere Gedanken werden gesteuert. Wer hat da denn bloß die Fäden in der Hand? "Bevor eine Erdlochverhaftung inszeniert werden konnte, musste jedoch erst einmal das Bild eines wahnsinnigen Schurken (...) installier(t) werden." Nur zur Auffrischung: Saddam Hussein war ein menschenverachtender Diktator, der jegliche emanzipatorische Opposition verfolgen und sehr viele Menschen ermorden ließ. Er war ein patriarchales, antisemitisches, völkisches, fundamentalist-isches Arschloch. Und ihr behauptet dieses Bild wurde konstruiert bzw. hochgeschaukelt? Ein Hohn aller, die Opfer dieses Menschen und seines Regimes wurden! Neben dieser Relativierung, stimmen auch noch andere Aussagen des AbgdK etwas nachdenklich. Nur als Beispiel; die gewählte Bezeichnung Saddams als "Schurke" (etwas verniedlichend oder?), der kriegführenden Staaten als "Koalition der Gierigen" (klingt ein bisschen, wie Koalition der Raffenden) oder Koalition der "Willigen" (und bist du nicht willig so brauch‘ ich Gewalt!). In diesem Textabschnitt wurde auch total zusammenhangs-los über Honduras sinniert. Leider völlig unverständlich. Dafür mit eindeutigen Hinweisen darauf, dass es wieder einmal zeigen soll, wie böse und schlecht die USA doch sind - nicht, dass wir Amerikafans wären. Aber ein Antiamerikanismus, wie er bei den Reden des AbgdK auftaucht, besteht aus Projektionen und kann nicht gut ausgehen. Der Antiamerikanismus des AbgdK gipfelt in den Sätzen: "Demokratisierung, die wie Krieg und Staatsterrorismus aussieht. Aber die niemals so genannt wird." Wir haben uns mal den Spaß gemacht und „Terror“ nachgeschlagen: „[systematische] Verbreitung von Angst und Schrecken durch Gewaltaktionen“ Terrorismus: „das Verbreiten von Terror durch Anschläge u. Gewaltmaßnahmen zur Erreichung eines bestimmten [politischen] Ziels.“ (Fremdwörterlexikon des Dudens) Haben die Besatzer des Iraks keine anderen Probleme, als systematisch Angst und Schrecken zu verbreiten? Aber vor allem: Widerstand ist zwecklos und wird als Terrorismus verfolgt. „Widerstand“ ist eine etwas zynische Bezeichnung für islamistische Selbstmordattentäter. Also wir sehen Shaheeds jedenfalls nicht als Widerstandskämpfer und Helden, sondern als religiösfaschistische Mörder an, deren Ziel es ist möglichst viele Menschen umzubringen und den Märtyrertod zu sterben. Übrigens: Was verwundert es eigentlich, dass überwiegend US-amerikanische Konzerne im Irak tätig sind und dass ein Großteil des Erdöls nicht der irakischen Bevölkerung zugute kommt? So funktioniert Kapitalismus nun mal, das haben wir alle erkannt, als wir anfingen uns damit auseinanderzusetzen. Nicht nur Iraker stehen vor der Entscheidung ob sie verhunger(n) oder zahl(en) und es hat auch nichts mit es sind ja nur Iraker, und keine Menschen erster Klasse zu tun. Auch hier hungern Menschen (wenn auch in einem wesentlich anderem Ausmaß). Können diese Leute gut verwertet werden? Nein, also ist es auch nicht wichtig sich um sie zu kümmern, egal wo sie leben. That’s it. Deswegen fordern wir ja auch eine Abschaffung des menschenverachtenden Kapitalismus. Zu guter Letzt mal wieder der beliebte Satz "Besatzer raus aus dem Irak, aus Afghanistan... ([aus Deutschland?] von der JAM eingefügt) - und aus unseren Köpfen!", der zeigt, welch Geistes Kind sie sind. Der Satz spiegelt ein kulturalistisches, völkisches Denken wieder. Er ist nichts anderes als die Forderung, Nationalstaaten sollten sich untereinander in Ruhe lassen. Jedes „Volk“ soll die Regierung haben, die es verdient und sei sie noch so menschenverachtend gegenüber Freidenkern. Es ist eine Forderung nach Gerechtigkeit zwischen Nationalstaaten. Eine Gerechtigkeit, die niemals existieren kann, da Nationalstaaten nach sozialdarwinist-ischen Prinzipien handeln, die Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen implizieren. Es gibt keine übergeordnete Instanz, die Konflikte nach Gerechtigkeit regelt. Deswegen ist es wichtig das falsche Ganze abzuschaffen und nicht in erster Linie zu schauen, welcher Staat denn jetzt der böseste ist. Wir hoffen, dass jetzt nicht gemutmaßt wird, wir sähen das AbgdK als völkisch etc. an. Jedoch finden sich viele Anknüpfpunkte. Nicht umsonst könnte die extreme Rechte Teile des Redebeitrags des "Aktionsbündnises gegen den Krieg" ohne Bedenken unterschreiben. |
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